AG Wanderfalkenschutz Schleswig-Holstein
AG Wanderfalkenschutz Schleswig-Holstein

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Auf diesen Internetseiten stelle ich die AG Wanderfalkenschutz Schleswig-Holstein und den wieder eingebürgerten Wanderfalken vor.

Über den Wanderfalkenschutz

Die Rückkehr des schnellen Jägers



 

 Für viele Vogelfreunde ist er der perfekte Greifvogel - schnell, kräftig und ein überaus erfolgreicher Jäger: Der Wanderfalke. In Schleswig-Holstein hat die sagenumwobene Art eine wechselvolle Geschichte.

Während der Wanderfalke als Wintergast vor allem im küstennahem Bereich nie häufig doch regelmäßig anzutreffen war, verschwand er bereits 1964 als Brutvogel aus Schleswig-Holstein.

Aber auch früher war der schneidige Jäger hierzulande nie ein häufiger Brutvogel.

Eine im 19. Jahrhundert angefangene Bestandsverdichtung der baumbrütenden Population in Mecklenburg-Vorpommern und  Brandenburg führte in den 1920er Jahren zunächst zu einer Wiederbesiedlung von Schleswig-Holstein. Anfang der 1950er Jahre wurde sein Bestand auf 10-15 Paare geschätzt. Der Wanderfalke, der wie alle Falken kein eigenes Nest baut,  nistete in alten Greifvogelhorsten, besonders erfolgreich übrigens in Seeadlerhorsten, die er auch gegen die sehr viel größeren und kräftigeren Seeadler verteidigen konnte.

Diese kleine Population verschwand relativ plötzlich bis Mitte der 60er Jahre wieder.  Die Gründe dafür sind bekannt: Der massive und ungebremste Einsatz von DDT und anderen Pestiziden. Aber auch massive Nachstellungen, Verfolgungen und Störungen durch Eiersammler, Taubenzüchter, Jäger, Falkner und später verstärkt Freizeitnaturnutzer führten zum Verschwinden der Art.

Eine letzte kleine Gruppe von Wanderfalken soll angeblich "offshore" in der Deutschen Bucht überlebt haben.

 

Ob dies tatsächlich überlebende hiesige Vögel oder womöglich entflogene Beizfalken waren, lässt sich im Nachhinein kaum beurteilen. Später wurden einige Bruten bzw. Brutversuche auf Leuchttürmen in der Wesermündung unternommen, die schließlich 1982 in einem Ansiedlungsprojekt mündeten, bei dem direkt an der Küste Wanderfalken ausgewildert wurden. Gleichzeitig wurden durch Wanderfalkenfreunde an ca. 18 Leuchttürmen in der Weser und Elbemündung Wanderfalkenkästen angebracht, die dort innerhalb weniger Jahre zu einer kleinen Brutpopulation von mind. 6 Paaren führte.

Auch in Schleswig-Holstein und auf Neuwerk wurden in dieser Zeit Kästen für Wanderfalken installiert. 1995 fand die erste Brut in Schleswig-Holstein auf Süderoogsand in einem Kasten auf einem Seezeichen statt. Drei Jahre zuvor gelang übrigens der Erstnachweis einer Bodenbrut an der deutschen Nordseeküste: Nigehörn im Bereich Hamburger Wattenmeer.

1999 fand die erste erfolgreiche Bodenbrut auf der Insel Trischen statt.

Brunsbüttel: Wanderfalkengelege mit 5 Eiern

In den folgenden Jahren wurden von dem Vogel mit dem Hang zu großen und hohen Bauwerken  die Kernkraftwerke an der Unterelbe in  Brunsbüttel und Brokdorf und die grosse  Stromtrassenquerung bei Hetlingen besiedelt.

Nachdem alle geeigneten Brutplätze an der Nordseeküste besiedelt waren, war es auffällig, dass die Wanderfalken zögerten,  den Sprung ins Binnenland und an die Ostseeküste zu machen. Relativ zügig wurde das Hafen und Industriegebiet von Hamburg besiedelt.

Das Weibchen des Lübecker Paares im Fluge. Foto A. Schulz-Benick

Erst im Jahr 2008 gab es das erste Brutpaar an der Ostseeküste. Die Vögel siedelten sich am Telekom Turm in Kiel an. Von dort sind es nur noch ein paar Flügelschläge bis ins Stadtgebiet und in den Hafen, wo mit den vielen Möven und Tauben ein gutes Nahrungsangebot herrscht. Wer also bei seinem Stadtbummel aufmerksam den Himmel beobachtet, kann mit etwas Glück durchaus einen der spektakulären Jagdflüge live miterleben. Im Jahr 2009 gab es dann die nächste gute Nachricht: Der Telekomturm am Bungsberg war endlichals Brutplatz auserkoren worden. NABU-Wanderfalkenexperte Burkhard Bünning hatte bereits im Herbst des Vorjahres dort zum ersten Mal einen Altvogel gemeldet. Auch am Dom in Lübeck hielten sich ab 2008 1 Paar Wanderfalken auf, die , da es am Dom keine Nistmöglichkeit gab, in den Turm der Aegidienkirche zur Brut zogen. Das Weibchen war noch juvenil, sodass es erst 2010 eine erfolgreiche Brut mit einem ausgeflogenem Jungen gab, ein Junges verstarb kurz vor dem Ausfliegen an einer unbekannten Krankheit.

Die Erfolge im Wanderfalkenschutz beruhen zum grössten Teil auf Toleranz, wachsendes Naturverständnis und aktive Schutzmassnahmen, ohne die es sicherlich noch ganz anders hier in Schleswig-Holstein aussehen würde. Die Nisthilfen auf den Gebäuden, Türmen und Industrieanlagen müssen weiterhin betreut werden.  Ausserdem könnten noch eine grössere Anzahl von Nisthilfen an geeigneten Bauwerken aufgestellt werden, denn eine Baumbrüterpopulation wird es bei der intensiven Nutzung der Landschaft und Wälder in Schleswig-Holstein in absehbarer Zeit nicht geben.

 

 

 

 

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© Burkhard Bünning