AG Wanderfalkenschutz Schleswig-Holstein
AG Wanderfalkenschutz Schleswig-Holstein

AGW-SH online

Auf diesen Internetseiten stelle ich die AG Wanderfalkenschutz Schleswig-Holstein und den wieder eingebürgerten Wanderfalken vor.

Wanderfalken und ihre Angst[1] vor Menschen

Von außen betrachtet geht es mit dem Wanderfalken überall weiter bergauf, weil auch überall mit Nisthilfen nachgeholfen wird. Auch in Schleswig-Holstein und Hamburg stieg die Anzahl von 2011 auf 2012 um 10 auf 49 Brutpaare. Diese Entwicklung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich, bis auf wenige Bodenbrüterpaare auf Inseln der Nordsee um keine rein natürliche Entwicklung handelt. Es zeigt aber, dass die Falken im urbanen Bereich gute Überlebenschancen haben. Andererseits, soll diese Population erhalten bleiben, sind weiterhin Unterstützungsmaßnahmen notwendig. Sie ist damit fortwährend auf tolerante und Hilfe anbietende Menschen angewiesen. Das sollte sich hoffentlich noch verbessern, könnte sich jedoch ebenso mal wieder ins Gegenteil verkehren

Bild 1: 190 m hoher Gittermast  (Elbekreuzung 1) bei Hetlingen (PI) an der Elbe mit einer WF-Nisthilfe in 100m Höhe. Das ist es, was die Falken im Binnenland lieben und benötigen. Foto: U. Robitzky

 

 

 

 

 

 

 

Daneben hat sich, was zunächst von vielen Wanderfalkenexperten als für nicht möglich gehalten oder sogar vehement bestritten wurde, an der deutschen Nordsee auf Inseln und Sandbänken eine kleine Population von sieben Paaren Bodenbrütern etablieren können. Darüber hinaus kommen in Holland zusätzlich 2 Bodenbrutpaare vor (P. van Geneijgen pers. Mitt.).

Dass dies nur an von Menschen abgelegenen Orten passiert, sollte uns zu denken geben. Aber auch diese Paare kommen nicht ohne besondere Hilfe aus. Diese liegt hier in besonders rücksichtsvollem Umgang und Verzicht auf ein Betreten und Kontrolle der Brutgebiete zur Balz-  und Brutzeit und der ersten Zeit der Jungenaufzucht. Dieses Verhalten zeigt uns anschaulich, ob und wo wir bei uns wieder baumbrütende Wanderfalken erwarten können. In Ostdeutschland gibt es ja eine durch Auswilderung entstandene kleine Population. Es müssen schon menschenferne Waldgebiete sein, die dann optimal in Gewässernähe liegen mit ähnlichen störungsfreien Bedingungen wie im Wattenmeer. In Schleswig-Holstein gibt es das meines Wissens nirgendwo. Jederzeit kann überall im Lande ein Förster, Jäger, Angler, Naturschützer, Bootsfahrer oder Spaziergänger auftauchen und mehr oder weniger absichtlich stören. Deshalb kann es regelmäßig auf Bäumen brütende Wanderfalken bei uns in Schleswig-Holstein sobald nicht geben. Auch die von einigen Experten angeführte Meinung, dass sich nur die Populationsdichte erhöhen müsste, dann würden die Falken von allein auf Bäume ausweichen, kann nicht zutreffen. Die Geschichte der Ausbreitung von Boden- und Gebäudebrüter, letztere in Städten sogar in hoher Dichte, zeigt, dass es noch auf andere Dinge gibt, auf die es ankommt und eben auch, dass Brutplatz-Prägungen eine nur untergeordnete Rolle spielen. Ihre Angst vor dem Menschen befähigt sie, diesem auf weitere Entfernung auszuweichen oder vor diesem fliehen als es andere Vögel tun, womit sich zugleich ihre höhere Entwicklung und Überlegenheit anderen Vögeln gegenüber zeigt. Das ist nach meiner Überzeugung der Hauptgrund, warum sie bei uns noch nicht wieder auf Bäumen brüten (können)".

 

Uwe Robitzky Odderade, den 02.01.2013

 

1. Evolutionsgeschichtlich hat die Angst eine wichtige Funktion als ein die Sinne schärfender Schutzmechanismus, der in tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Gefahrensituationen ein angemessenes Verhalten (etwa Flucht) einleitet. Da der Energieaufwand für eine Flucht gering ist (wenige hundert Kilokalorien), übersehene Bedrohungen aber äußerst folgenschwere Auswirkungen nach sich ziehen können (Tod), ist die „Alarmanlage“ Angst sehr empfindlich eingestellt, was in vielen Fehlalarmen resultiert

[aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Angst#cite_note-1] R. M. Nesse: The smoke detector principle.  Annals of the New York Academy of Sciences 935, 2001, S. 75-85

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