AG Wanderfalkenschutz Schleswig-Holstein
AG Wanderfalkenschutz Schleswig-Holstein

AGW-SH online

Auf diesen Internetseiten stelle ich die AG Wanderfalkenschutz Schleswig-Holstein und den wieder eingebürgerten Wanderfalken vor.

Die Rettung eines Wanderfalken aus einem Kamin

Mitarbeiter des Heizkraftwerks VATTENFALL in Wedel (PI) hatten mittags einen flatternden Vogel hinter einem Drahtgitter innerhalb eines von zwei 150 m hohen Schonsteinen festgestellt. Dieser musste durch den Schlot von oben, der nicht abgedeckt ist, dort hineingelangt sein und fand jetzt keinen Ausgang, weil die in Abständen angebrachten seitlichen kleinen Belüftungsschächte (wie Fenster) wegen der Taubenplage alle vergittert waren. Die Öffnung eines Gitters und Scheuchversuche, ihn dazu zu bewegen, durch diese Öffnung in Freiheit zu gelangen, misslangen. Auch nach Stunden und jetzt vor Einbruch der Dunkelheit saß der Vogel, der inzwischen als Wanderfalke bestimmt worden war, immer noch im Schornstein. Deshalb wurde ich angerufen, um Rat einzuholen. Wir vereinbarten, dass zunächst die Dunkelheit abgewartet werden und dann zwei Mitarbeiter mit einer starken Taschenlampe den Falken blenden und mit einem Käscher oder großem Tuch einfangen und in Freiheit setzen sollten. Wenig später erhielt ich einen Rückruf, dass die Aktion geklappt habe und der Falke außerhalb wieder freigelassen wurde. Er habe geschrieen, gebissen und sich mit allen Krallen gewehrt und wollte sich gar nicht helfen lassen, worauf die Helfer aber vorbereitet waren. Unser großer Dank gilt deshalb diesen umsichtigen und beherzten Mitarbeitern des Heizkraftwerks Wedel.

In Wedel brüten am elbseitigen Kamin in 100 m Höhe ab 2004 Wanderfalken jährlich wiederkehrend und sehr erfolgreich. Drei Jahre zuvor hatten wir mit Unterstützung des Werks dort eine Nisthilfe anbringen können. Seitdem werden wir von Werksangehörigen sehr aktiv bei unseren Schutzbemühungen unterstützt, wie auch dieser Fall wieder zeigt.

 

Das Bild zeigt Matthias Haupt, AGW-SH, bei der Beringung der vier nestjungen Wanderfalken in 100m Höhe am 20.05.2009 in Wedel. Foto: U. Robitzky

 

In Schleswig-Holstein und Hamburg ist der Wanderfalkenschutz in besonderer Weise auf solche Hilfen angewiesen, weil Falken hier beinah nur an hohen Kirchtürmen, Schornsteinen, Gittermasten, Funktürmen und –masten, Schifffahrtszeichen und Anlagen der Ölraffinerien brüten können.

Es kommt bei uns sehr selten vor, dass sich (in zwei Fällen in 15 Jahren) eben flügge Wanderfalken in solche Schlote verfliegen. In diesem Fall war es unser erster adulter Falke, dem das passierte. Diesen gerettet zu haben, wiegt natürlich besonders, weil die kommende Brutsaison ja bereits bevor steht. Wanderfalken sind jagdbare Vögel (§2 BJagdG). Dennoch regelt das Jagdrecht solche Fälle nicht, wohl aber das BNaturschG in § 45 Abs. 5. Danach können solche hilflosen Tiere unter der Zielsetzung aufgenommen werden, sie wieder in Freiheit zu setzen. Einer vorher einzuholenden behördlichen Erlaubnis oder anschließenden Benachrichtigung bedarf es dazu nicht. Das gilt auch für streng geschützte Tierarten, wie dem Wanderfalken.

Uwe Robitzky                                            

Wedel, den 21.12.2012

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